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А. А. Сванидзе.   Средневековый город и рынок в Швеции XIII-XV веков

Резюме

In dieser Monographie werden die Einrichtung, der Charakter und die ge-selLschaftlichen Funktionen des Marktes im mittelalterlichen Schweden analy-siert. Gemeint ist vor allem der Binnenmarkt, der mit, der ganzen Volkswirt-schaft des Landes am organischsten verflochten und seiner sozialen Organisation am meisten adäquat war.

Der Binnenmarkt der feudalen Zeit formte sich gleichzeitig mit der Ent-stehung der Städte, mit der Trennung und Spezialisierung der Industrie, mit der Entwicklung der Städte, der spezialisierlen Gewerbebranchen und der Dör-fer zu relativ abgesonderten ökonomischen, sozialen und rechtlichen Strukturen, deren Wechselbeziehungen zueinander sich im Wege des Austausch.es von Produkten ihrer Tätigkeit abwickelten. In der Korrelation zwischen Stadt und Land, zwischen dem Natural- und dem Warenprinzip resumierten sich die Entwicklung des Marktes im Feudalismus, sein Stand, seine Formen und Beson-derheiten. In der vorliegenden Foxschung gilt das Augenmerk vor allem der Stadt. Ihre Stellung im System der Marktbeziehungen, ihre Rolle bei der For-mung des Marktes und bei der Warenprodukticm werden als Mafistab fiir den Stand und die Spezifik des Warenaustausch.es betrachtet. Demnach ist die zeit-liche Spannweite des im Buch behandelten Stoffes mit dem 13. bis 15. Jh. beg-rentz. Dies ist die Zeit, da in Schweden Städte und die spezialisierte Bergbau-und1 Hiittenindustrie entstanden (d. h. sich der Binnenmarkt bildete), bis zu der Periode, die die Entstehung friihkapitalistischer Beziehungen unmittelbar vorausging, welche das Ende des klassischen Mittelalters besiegelt hatten.

Es werden zwei Aspekte des Marktes charakterisiert. Zum ersten die wirt-schaftliche, administrative und rechtliche Organisation des Handels und der handeltreibenden Personen: das Warensortiment, die Ortslage der Handelszent-ren, ihre Typen und Beziehungen zwischen ihnen, Zahlungsmittel, Stand des MaBsystems, Regelung des Handels, Handels- und Kaufmannsrecht, Formen der Vereinigungen auf dem Gebiet des Handels. Zum zweiten die soziale Struktur des Marktes: Inwieweit die verschiedenen Produktionszweige (Landwirtschaft, Gewerbe in Stadt und Land, Unternehmen) darin vertreten sind und in welchem Verhältnis zueinander sie stehen. Desgleichen die verschiedenen ökonomischen Typen der Wirtschaft (Natural-, Waren- und TJbergangswirtschaft), die verschiedenen sozialen Typen der Wirtschaft (Bauern-, Landadel-, Kirchen- und Kloster-, Handwerks-und Kronenwirtschaft), die verschiedenen Marktsubjekte (Berufshändler, unmittelbare Produzenten, Rentenempfänger).

Die Forscher der schwedischen Geschichte bis zum 16, Jh. wissen wohl, daB aicht alle im Buch erwähnten Gesichtspunkte hinreichend ausfiihrlich behan-delt werden können. Aus den Quellen erfahren wir mehr iiber das Gesetz als liber die reale Lebenspraxis. Die Quellen gewähren viel mehr Einblicke in das Leben der sozialen Oberschichten als in das der einfachen Burger. Sie befassen sich viel ausfiihrlicher mit Stockholm und grotöen Häfen als mit mittelgrotöen und kleinen Städten und Handelsstätten. Ihre Zahl nimmt zum 15. Jh. zu, wäh-rend fiir das 13. Jh. nur wenige Quellen vorliegen. Hinzu kommt, dafi wir nicht im Besitz von statistischem Material sind, das eine quantitative Analyse der Warenzirkulation des Marktes, des Preisstandes und der Preisbewegung, des Verhältnisses zwischen Nachfrage und Angebot, der Höhe des kaufmännischen Profits, des Verhältnisses zwischen der Waren- und der Naturalproduktion in den individuellen Wirtschaften und aufgeschliisselt nach Wirtschaftszweigen ermöglichen wiirde. Notgedrungen werden vorwiegend qualitative Analysen ge-macht und quantitative Charakteristiken vermieden.

* * *

Im Zeitraum von 13.—15. Jh. machte der schwedische Markt mehrere Wogen — Konjunkturbedingte Flauten und Aufstiege — durch, was sowohl durch den «schwarzen Tod» als auch durch die sich periodisch verschärfende politi-sche Lage im In- und Ausland bewirkt wurde. Im Material ist aber keine ir-gendwie längere Krise während dieser Periode erwähnt. Im Gegenteil, der Markt entwickelte sich im Laufe der drei Jahrhunderte im allgemeinen in aus-gesprochen aufsteigender Linie und spielte im Leben der Gesellschaft eine zu-nehmende Rolle. Das belegen folgende Kennzeichen: Erweiterung des Waren-sortiments, vor allem dank der Produktion der Gebrauchsgiiter in der Stadt, auf dem Lande und im Bergbau; Warencharakter des HeimgewerbeS auf dem Lande; Entwicklung der ökonomischen Spezialisation der Gebiete und Orte; wesentliche Zunahme der Zahl der Handelszentren verschiedener Art; Erweiterung des vor allem an den Warentransit eindeutig gebundenen Stratöennetzes, insbesondere zu Lande; Spezialisation der Berufshändler und des Handels; Nutzung des Handels durch Einwohner in Stadt und Land als Kompensations-beschäftigung (Nebenverdienst); Systematisierung der Miinzprägung und der Kreditbeziehungen; Entstehung des Wechsels; Bildung des kaufmännischen Notariats; grötöeres Interesse fiir Fragen des Marktes seitens verschiedener Gruppen der Gesellschaft und in der Politik des Staates.

Eins der allerwichtigsten qualitativen Kennzeichen fiir das Wachstum des feudalen Marktes ist die Erweiterung seiner sozialen Basis, der Zusammenset-zung der unmittelbaren Träger der Warenzirkulation. Im 14. Jahrhundert nahmen allmählich alle Schichten der Befölkerung als Konsumenten und Liefe-ranten Marktbeziehungen auf. Dementsprechend iiberwogen die Massenbedarfsgii-ter in der Absatznomenklatur. Dies ist grundsätzlich ein Merkmal des entwick-elten feudalen Marktes. Sein anderes Merkmal, das in Schweden zu verzeich-nen war, bestand darin, daB in der Warenzirkulation das Produkt der unmittelbaren Arbeit die Ware Arbeitskraft iiberwog und folglich der nichtpro-fessionelle Handel die Oberhand iiber den Berufshandel gewann dank der unmittelbaren Beteiligung der erwerbstätigen Bevölkerimg. Ein wichtiger We-senszug des Marktes war auch die relativ ziigige Praktizierung des Handels als Nebenerwerb fiir die Stadt- und Landbevölkerung und dadurch die Erweiterung des Berufshandels, gewissermaBen seine Demokratisierung1483.

Die Analyse der sozialen Struktur und der Organisation des schwedischen Marktes verdeutlicht die fiihrende Rolle der Städte in der Warenzirkulation und — produktion (sie mochte noch so begrenzt sein), in jenen Prozessen der sozialen Integration und Differenziation, die durch die Entwicklung der Ware — Geld — Beziehungen bestimmt wurden. Vom 13. bis 15. Jh. legten die schwedischen Städte einen langen Weg zuriick. An seinem Anfang waren Sie vor allem Zentren des fernen Handelstransits. Gegen das Ende dieses Zeitabschnitts waren sie bereits Zentren des Handels zwischen Vorstädten, Städten, Gebieten, Zweigen und mit dem Ausland, d. h. .Zentren aller Bereiche des Marktes, ihrer Kreuzwege, Grenzen ihres gegenseitigen Ineinandergreifens. Die Städte bilde-ten ein relativ dichtes Netz in den erschlossenen Gebieten Mittel-, Ost- und Siidschwedens. Sie beeinfluBten aktiv die Peripherie, zogen sie in die Waren-beziehungen hinein durch ihre Handelsstätten, Handelsreisenden und Kredit-geschäfte (Darlehen, Einlagen in den Bergbau, kaufmännischer Kredit). Han-delsvereinigungen und AuBenwirtschaftsbeziehungen.

Die Reaktion der Landbevölkerung kam darin zum Ausdruck, daB das Ge-werbe auf dem Lande, das Wander- und das Heimgewerbe Warencharakter an-nahm, sich das Institut ländlicher Händler und Zwischenhändler bildete. Das war ein wichtiger Faktor der ökonomischen Regionenbildung. Die Städte und Bergslagen gaben einen merklichen Absatzmarkt fiir Agrarprodukte ab.

Nach dem Erfassen der sozialen Schichten und der Produktionszweige und nach dem Warensoritment gewann der Binnenmarkt in der fraglichen Zeit die Oberhand iiber den AuBenmarkt. Im Mittelpunkt des Binnen- wie auch des AuBenmarktes stand die Stadt: Bezeichnenderweise trat die Stadt in Schweden vor allem gerade als Zentrum des Binnenhandels auf, des Austausches mit dem Dorf und der Wechselbeziehungen zwischen den Gebieten. Nur wenige Städte hatten direkten Zugang zu dem AuBenmarkt.

Stockholm war fiihrend im Handel, in der Industrie und im Untemehmertum. Stockholm «dirigierte» den Markt des Landes. Das förderte die ökonomische Konsolidation (was natiirlich eine komplizierte Rivalität zwischen Städten nicht ausschloB).

Das Bestehen eines solchen Zentrums in Gestalt der Hauptstadt, die Orientation der meisten Städte auf den Binnenaustausch, die Entwicklung des Handels zwischen Gebieten und Zweigen, die Krezung der Warenströme des Binnen- und des AuBenmarktes — all das beweist, daB im 15. Jh. in Schweden das Fundament fiir einen einheitlichen (feudalen) Markt gelegt wurde.

Der AuBenhandel wurde im Buch lediglich im Zusammenhang mit dem Binnenmarkt behandelt. Sein EinfluB war erstens in einer engen, aber wichtigen Gruppe von Produktionszweigen sehr groB — in den spezialisierten Gewer-bebranchen (Bergbau und Hiittenwesen, teilweis'e in der Fischerei); Er kam darin zum Ausdruck, daB dort erstmalig in Schweden sich Elemente des friih-kapitalistischen Untemehmertums herausbildeten und das regale Eigentum der schwedischen Regierung sich wesentlich festigte unter Einverleibung von Gewerbezweigen und Gebieten. Zweitens, weil der AuBenhandel Schwedens der Politik der Wendischen Städte untergeordnet war, verankerte er im ganzen das Primat der extraktiwen Zweige zum Schaden der Entwicklung der verarbeiten-den Branchen, des Stadtgewerbes insbesondere. Drittens vermittelte der AuBen-liandel die eingesetzte Transformation der groBen Landadelwirtschaft.

Der Berufshandel konzentrierte sich in den Städten. Dort entwickelten sich das Handels- und Kaufmannsrecht, das Zoll-, Mafi-, Gewichts- und Geldsystem. Dort konzentrierten sich die Formen der Produktion mit ausgeprägtem Waren-charakter. Nur in der Stadt wuchs der Handel aus der Beschäftigung einzelner Personen zur solchen eines ganzen Standes aus. In alien Sphären der Warenzirkulation war die Biirgerschaft sein fiihrendes Subjekt. Haben sich aber die Yorrechte der Städter im AuBenhandel friih gebildet und waren sie praktisch vollständig, so war der sich vom letzten Viertel des 13. Jh. an verstärkende Kampf fiir ähnliche Positionen im Binnenhandel weniger erfolgreich wegen der Parallelentwicklung des Gewerbes auBerhalb der Stadt, der Dorfmessen und «Häfen», der Handelsvermittlertätigkeit einzelner Bauerngruppen. Das war ein Wesenszug sowohl des schwedischen Marktes, als auch der Beziehungen zwischen Stadt und Land. Es ware aber ein Fehler, wollte man annehmen, die auBerstädtischen Formen des Handels und iiberhaupt die Warenelemente auf dem Lande machten den städtischen nur Front. Die Beziehungen waren hierin komplizierter, da die auBerstädtischen Formen der Warenbeziehungen sich eng mit den städtischen verflochten; die Stadt, ihr Markt und ihre sozialen Ge-meinschaften stimulierten sie iiber die Sortimente und die Subjekte des Aus-tausches und vereinten sie um sich. Darum stellten ihre Beziehungen, bei ge-wisser Konfrontation der sozialen Kräfte in Stadt und Land, objektiv und in der Perspektive einen einheitlichen naturgemässen ProzeB in der Entwicklung der Ware — Geld — Beziehungen dar. Es sei auch erwähnt, daB unter den spe-zifischen Bedingungen in Schweden die Entstehung einer verhältnismäBig brei-ten Schicht kl'einer und mittlerer Händler auf dem Lande die Basis fiir die For-mung und Festigung der schwedischen nationalen Kaufmannschaft abgab.

Der gewisse soziale Unterschied bzw. die Konfrontation auf dem Gebiet des Marktes bestand nicht nur zwischen Stadt und Land, sondern auch zwischen verschiedenen Schichten der Gesellschaft. Zum Beispiel: Die erwerbstätigen Klassen und Gruppen der Bevölkerung — die Bauern, Handwerker, Bergarbei-ter und Fischer — verkauften mehr als sie kauften. Dagegen iiberwog beim Adel und bei der Krone die Nachfrage das Angebot, was eine natiirliche Folge der feudalen Praxis der Verteilung vermittels der Rente war.

Typisch fiir Scweden war nicht nur die zogemde Rentenkommutation, sondern auch die Steigerung seit der Mitte des 14. Jahrhunderts der Naturalabga-ben, weswegen die Produkte auf den Markt neben den unmittelbaren Produ-zenten, z. B. Bauern, im bedeutenderen Masse von den Rentenbeziebern ge-bracht wurden. Der Adel und die Krone lieferten dem Markt groBe Posten von "Waren, orientierten sich auf ferne und Auslandsmärkte, wo groBe Zahlungsmittel, miinzlose Transaktionen und geldlose Verrechnungen gängig waren. Sie orientierten sich auf die Vermittlung durch das kaufmännische GroBkapital, dessen Träger in Schweden deutsche Kaufleute waren. In der gleichen Sphäre des Handels verkehrten groBe Bergbauunternehmer. Kleine Besitzer — Hand-werker in Stadt und Land, untere Schichten im Bergbaugewerbe, Fischer sowie kleine und mittlere Handler — wirkten vorwiegend auf den lokalen Märkten, im Bereich kleiner Einzelhandelsgeschäfte und bedienten sich kleiner Miinzen. Man kann konstatieren, daB die eigentlich Trennungslinie im Markt letzten Endes eben hier, d. h. nicht zwischen dem Inlands- und dem Auslandsbereich, vorlief, nicht zwischen Stadt und Land, nicht zwischen «Deutschen» und «Schweden», sondern in der sozialen Eigentumsvertikale. Die Handelsbereiche (groBer, ferner AuBenhandel und kleiner, lokaler Binnenhandel) differenzierten sich entsprechend der Polarisation der gesellschaftlichen Kräfte: Auf der einen Seite standen GroBadel, Kloster, Krone, GroBkaufmannschaft und auf der an-deren die unmittelbaren Produzenten in Stadt und Land, die kleinen und mitt-leren Händler. Die soziale Differenzierung der Handelsbereichen trug korpora-tiven Charakter. Die fuhrenden Positionen auf dem Markt der oberen Gruppen der Gesellschaft und der Oberschichten in jeder Gruppe wurden auf Grundvon Standesprivilegien, die in die Eigentumsstruktur eingeschlossen waren, ver-ankert.

Demnach zeichneten sich auch zwei Möglichkeiten ab fiir die Reorganisation der Landwirtschaft in Schweden: erste friihere durch die kleine (bäuerli-che) und zweite spätere durch die groBe (gutsherrliche) Wirtschaft. Gegen Ende des 15. Jh. gewann die kleine Wirtschaft die Oberhand. Eben darin wurden die ersten Elemente der konstruktionsmäfiigen Reorganisation (der Bildung des Warencharakters) registriert. Die GroBgrundbesitzer kiimmerten sich aber so gut wie gar nicht um die eigenen Wirtschaften und trieben Handel mit Produkten, die sie als Fronzins geliefert bekamen. Die Verstärkung des Adels in jener Zeit, die Entwicklung seiner Beziehungen auf dem AuBenmarkt, die Förderung der extraktiven Zweige und des Fortbestehens der Produktenrente durch den Adel — all das zeugt davon, daB die Marktbeziehungen des Hoch-adels (fiir den Klein- und Mitteladel liegen keine hinreichenden Dokumentationen vor) damals nicht zur progressiven qualitativen Transformation seiner Wirtschaft fiihrten, sondern im Gegenteil deren feudale Struktur verankerten. Die Kommerzialisierung der Rente fiihrte zur längeren Konservirung der Produktivrente, der routinemässigen Zahlungs mittel, zur Einschränkung der Wirkung der Städte (wahrscheinlich ist ausgerechnet im 15. Jahrhundert der Ursprung der spezifischen «Scheinbliite des Feudalismus» in Schweden des 17. Jh. zu suchen).

Zu Beginn des 16. Jh. steckte die Marktorientierung der schwedischen Landwirtschaft noch in den ersten Anfängen. Der Adel und die Bauem setzten Waren der Massenproduktion und Massenkonsumtion ab und erwarben hauptsäch-lich Waren seltenen Gebrauchs (ihr Sortiment fiel natiirlich fiir verschiedene Bevölkerungsschichten verschieden aus). Die Reproduktion in den Wirtschaften der Hauptklassen erfolgte somit nicht iiber den Markt und gewann noch nicht den Waren charakter. In der Hauptsache waren es Nebenbeschäftigungen der Bauern, die teilweise in die Warenproduktion einbezogen wurden. Ein qua-litativ andersgeartetes Phänomen waren” das Gewerbe in den Städten und die spezialisierten Erwerbszweige. Zwar behielien auch sie sehr wesenlliche Ziige> des Naturalcharakters weiter, doch ihre Reproduktion erfolgte vorwiegend iiber den Markt. Die Warenproduktion umfafite das Handwerk der Stadt, die Wa-renerwerbszweige, die sporadischen halbspezialisierten Gewerbewirtschaften auf dem Lande und eventuell die seltenen Elemente des Ackerbaus fiir Marktzwec-ke in den Vorstädten. Ihr wirtschaftliches und soziales Niveau erhob sich, an den Mafistäben der Epoche gemessen, nicht fiber den Durchschnitt. Bis Ende des 15. Jh. bezog der schwedische Markt also aus dem Landesinneren vorwiegend Produkte der Naturalproduktion.

Gegen Mitte des 14.—15. Jh. erlebte der schwedische feudale Markl eine Bliitezeit: Die Warenzirkulation war bereits sozial allumfassend, doch der Wert behielt noch meist Verbrauchercharakter. Demnach handelte es sich bei dem Marktsektor des Landes um die Verbindung einer wesentlich entwickelten Warenzirkulation mil sporadischer Warenproduktion (d. h. einer Warenproduktion,. die nur in einzelnen Zweigen und relativ wenigen Wirtschaften praktizierl wur-de). Es sieht danach aus, als ware die vorrangige Entwicklung der Warenzirkulation gegentiber der Warenproduktion in Schweden ausgeprägter als in den ftihrenden Ländern des Kontinents.

Unter den anderen allgemeinen Wesensziigen des schwedischen Marktes im 13.—15. Jh. sei auf die bedeutende Rolle aufierökonomischer Faktoren, ins-besondere auf die rechtliche Regelung des Handels durch den Staat und die Behörden hingewiesen. Diese Regelung iibte verschiedene Funktionen aus: Sie war ein Mittel feudaler Ausbeutung der Warenzirkulation und eine wichtige Handhabe fiir die Organisation des Marktes und seiner Instrumente; die Staats-politik spielte fiir die Entwicklung des nationalen Marktes im ganzen eine för-demde Rolle. Was die Politik des Staates gegeniiber den Städten anbelangl, so wurde sie vor allem durch die Rolle der Städte als Handelszentren bestimmt. Einerseits machte sich der Staat den Stadthandel zu Fiskalzwecken zunutze und verletzte dabei die Rechte einzelner Städte, brachte sie gegeneinander auf und schmälerte häufig die Privilegien der ganzen Biirgerkorporation. Andererseits förderte der Staat die Entstehung des Handelsmonopols der Städte und festig-te die Positionen des «eigenen» Handels auf den AuBenmärkten (durch die Er-hebung von Einfuhr- und das Fehlen der Ausfuhrzölle). Die Städte waren fiir ihr Teil ebenfalls inkonsequent bei der Verfolgung einer g'enerellen Linie in der Handelspolitik und spannten die «nationalen» Interessen fiir die der einzelnen Gruppen innerhalb der Biirgerschaft ein. Es ist aber nicht zu bezweifeln, daJJ der Markt im ganzen das politisch-ökonomische Biindnis der Städte und der kö-niglichen Macht zementierte.

In der Charakteristik des schwedischen Marktes iiberwiegen Ziige, die dem feudalen Markt als ganzem eigen sind, durch die Einwirkung der Epoche bestimmt wurden und die vollständige Integration des Landes in das europäische' feudale System vor Augen fiihren.

Zugleich muB man auf die Besonderheiten der regionalen oder nationalen Ebene hinweisen, wo vor allem die Wirkung der lokalen Bedingungen erwähnt werden mufi. In diesem Zusammenhang ist es aufschlufireich, datö auf dem schwedischen Markt jener Zeit Agrar- und Gewerbsrohstoffe und Halbfabrikate dominierten. Aufschlufireich sind weiter die Entwicklung der Märkte auf dem Lande und die Verbreitung des Handels dort; die Vermittlerrolle der ausländischen (hansischen) Kaufmannschaft; die relative Schwäche der Handwerker in den Städten, die hauptsächlich iiber die örtlichen Märkte verfugen konnten; die Verbreitung miinzloser Zahlungsmittel und persönlicher Beziehungen im Austausch.

Man kann nicht den direkten Zusammenhang dieser Besonderheiten des Austausches mit den Besonderheiten der Wirtschaft und der gesellschaftlichen Arbeitsteilung in Schweden und zwischen den letzteren und den lokalen natur-gegebenen und historischen Bedingungen ubersehen. Man kann nicht den Zusammenhang zwischen der Unterentwicklung des Ackerbaus und der Hyper-trophie der bäuerlichen Nebenverdienste iibersehen, zwischen der persönlichen Freiheit der Bauern und der Entfaltung ihrer geschäftlichen Initiative ohne Bruch mit dem Ackerbau, zwischen der Vorherrschaft der hansischen Kaufmannschaft im AuBenhandel und der Verdrängung der Stadt samt den örtlichen Handels- und Handwerksschichten in den Bereich des Binnenhandels.

Die gesellschaftlichen Folgen, die Wirkung dieser «ausbalancierten» Varian-le der Marktentwicklung — «schwache Stadt und starkes Dorf» — waren in verschiedenen Etappen keineswegs gleich. Die aktive Beteiligung des Dorfes an der Warenzirkulation und der Handwerksproduktion schwächte ohne Zweifel die Produktion und den Markt in der Stadt, die Trennung und die Fiihrungs-rolle der Stadt; die spät oder «unzureichend» entwickelte Stadt gab ihrerseits Impulse fiir die Erweiterung von Waren elementen auf dem Lande und bildete die Basis fiir die deutsche Infiltration und Wirkung, wodurch die sozial-etische Konfrontation zwischen der Oberschicht der Stadt einerseits und ihren unteren Schichten und dem Dorf andererseits entstand. Doch die Warenelemente bil-deten die Basis auch fiir die Entwicklung der nationalen Kaufmannschaft, die die Stadt zu einem wichtigen Bollwerk der Verfechtung der nationalen Interes-sen gemacht hatte, und einen wesentlichen Teil der Entwicklung des Friihka-pitalismus bereits vom 16. Jh. an.

Der schwedische Typ der Beziehungen zwischen Stadt und Land und damit der Marlctbeziehungen wurde in der fraglichen Zeit auch fiir die anderen Ost-seeländer charakteristisch uiid trug eher regionalen Charakter.

Im mittelalterlichen Schweden, mit seiner zweifellosen Eigenart, spielte die Stadt in der Marktentwicklung keine fiihrende Rolle, Objektiv gesehen regelte und erweiterte die Stadt den Austausch, seinen Ausmafi, seine soziale und Warenbasis, transformierte den Wert dank ihrer Warenproduktion, spezialisier-te den Handel, und, lelzten Endes, gab dem Agrarumland Anstotöe zur Reorganisation. Durch den etnischer Elemente, die Entlehnung neuer gesellschaftli-cher und Produktionsformen, durch multilaterale internationale Beziehungen trug die Stadt in höchstem Grade dazu bei, dafi das Land in das gesamteuro-päische feudale Gemeinschaft eingeschlossen wurde. Den Feudalismus zur Evolution anregend, funktionierte die Stadt innerhalb und nicht ausserhalb des Feudalsystems. Die erschlossenen Angaben belegen, dass in Schweden die Mitte des 14. Jahrhunderts die Zeit des XJberganges vom ersten zum zweiten Stadium des entwickelten Feudalismus war.



1483Es diirfte der Hinweis geniigen, daB in der Wikingerzeit der Handel einen sozial exquisiten Charakter trug, d. h. daB im Warensortiment seltene ausge-suchte und Prestigeerzeugnisse iiberwogen und als Subjekte des systemati-schen Handels wenige transitreisende Kaufleute und Vertreter der Elite auf-traten, die Handelsgeschäfte mit Raubiiberfällen verbanden.
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